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«Cassis zeigt Secondos, dass alles möglich ist»

von Silvana Schreier - Ignazio Cassis ist der erste eingebürgerte Schweizer, der zum Bundesrat gewählt wurde. Damit könnte er Secondos in der Schweiz Türen öffnen.

Mit dem Tessiner Ignazio Cassis wurde erstmals ein eingebürgerter Schweizer Bundesrat. Politologe Nenad Stojanovic sagt zu 20 Minuten: «Das ist ein historisches Ereignis.» Eingebürgerte Schweizer würden nun sehen, dass «sogar ihresgleichen eine Chance haben, in die Landesregierung zu kommen». Das sei ein starkes Signal an alle Ausländer in der Schweiz.

Ignazio Cassis kam als Sohn italienischer Eltern 1961 im Tessin zur Welt und erhielt den italienischen Pass. Im Alter von 14 Jahren wünschte er die Einbürgerung: 1976 war es dann so weit – und Cassis hielt den Schweizer Pass in seinen Händen.

 

Doppelbürgerschaft für Bundesratsamt abgegeben

Bis am 7. August 2017 war Cassis Doppelbürger. Dann entschied er sich während des Wahlkampfes für den Bundesrat, den italienischen Pass abzugeben: «Als ich mich entschieden habe, mich für die Bundesratswahl zur Verfügung zu stellen, habe ich auf die italienische Staatsbürgerschaft verzichtet», sagte Cassis gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Für Mustafa Atici, Präsident der SP MigrantInnen, unverständlich: «Dass er seinen italienischen Pass abgegeben hat, war eine unnötige Aktion.» Dennoch freut er sich, dass mit dem FDP-Politiker nun ein eingebürgerter Schweizer in den Bundesrat einzieht. «Das ist eine Bereicherung für die Schweiz. Es ermutigt alle Migranten, Secondos und Eingebürgerte und zeigt ihnen, dass alles möglich ist», so Atici auf Anfrage. Er hofft, dass es selbstverständlich wird, dass eingebürgerte Schweizer oder solche mit Doppelbürgerschaft wichtige Funktionen in der Schweizer Politik einnehmen.

«Cassis soll multikulturelle Schweiz repräsentieren»

An den neu gewählten Bundesrat richtet er klare Forderungen: «Er darf seinen Hintergrund nicht vergessen und soll diesen als eine Art Botschafter immer wieder thematisieren», sagt der Basler SP-Grossrat. Cassis solle weiter nicht nur die Zusammenarbeit mit Italien voranbringen, sondern auch mit anderen Ländern. Atici: «Er soll die multikulturelle Schweiz repräsentieren.» Dazu gehöre auch, dass er Verantwortung übernehme für den Drittel der Schweizer Bevölkerung, der einen ausländischen Pass besitzt.

Auch Isabel Garcia, Präsidentin der Secondas Zürich, gratuliert Ignazio Cassis herzlich: «Nicht nur zur Wahl, sondern auch dazu, dass er der erste eingebürgerte Bundesrat ist.» Hoffentlich gebe es künftig noch mehr solcher guter Nachrichten zu verkünden. Die Wahl des Tessiners zeige, dass «alles möglich ist in der Schweiz, man kann als Eingebürgerter sogar Bundesrat werden».

«Kein Entweder-oder bei der Staatsbürgerschaft»

Blerim Bunjaku, ehemaliger SP-Politiker aus Winterthur, freut sich ebenso über die Wahl des Tessiner FDP-Politikers: «Es wurde Zeit, dass ein eingebürgerter Schweizer in den Bundesrat gewählt wird. Diese Wahl zeigt, dass wir Eingebürgerte ebenso für die Schweiz kämpfen.» Cassis könne nun für viele ein Vorbild sein: «Ich sah es bei mir selbst: Als ich anfing mit der Politik, entdeckten viele Jugendliche erstmals, dass auch sie in der Schweizer Politik mitwirken können», sagt Bunjaku.

Bunjaku sieht Ignazio Cassis als Motivator für die integrierten Migranten, die Secondos und die Eingebürgerten. Dass der neue Bundesrat seine Doppelbürgerschaft aufgegeben hat, findet er «vollkommen richtig». Bunjaku: «Ich hätte auch den kosovarischen Pass beantragen können, habe ich aber nicht. Weil ich mich entschieden habe, Schweizer zu sein.» Für ihn gebe es kein Entweder-oder, sondern nur eine Zugehörigkeit.

Quelle: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/28572336

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